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Berlin, 28. April 2008

„Neun Stunden Flaschenzug in Physik sind zu viel“

Mehr als ein Achtungserfolg für TectoYou, der Nachwuchsinitiative der Hannover Messe – über 20.000 Schüler mit Lehrern zu Besuch

Berlin, 28. April 2008 - „Noch immer bestehen Barrieren zwischen Schule und Wirtschaft“, so Mike de Vries, Geschäftsführer der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, während der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Abschluss der diesjährigen Nachwuchsinitiative TectoYou der Hannover Messe. „Wir sind auf unserem Weg, Jugendliche noch mehr für die technischen Berufe zu begeistern, noch lange nicht angekommen.“ Doch mit der diesjährigen Hannover Messe und der TectoYou wurde ein weiterer großer Schritt in die richtige Richtung getan, wie die Teilnehmer der Diskussionsrunde einhellig empfanden.

Die Nachwuchsinitiative TectoYou hatte mit Unterstützung von schule-trifft-wirtschaft.de während der Industriemesse einen nahezu kompletten Überblick über die Beziehungen zwischen Schule und Wirtschaft vermittelt. Mehr als 20.000 Schüler und Lehrkräfte waren der Einladung gefolgt und hatten sich im Aktionszentrum in Halle 26 über technisch orientierte Berufsperspektiven informiert. Am Stand von schule-trifft-wirtschaft.de im TectoYou-Lehrerzimmer konnten Lehrer Unterrichtsmaterialien aus der Wirtschaft durchstöbern und mitnehmen. Entsprechend positiv das Feedback auf der TectoYou Forumsveranstaltung am letzten Tag. Alle Repräsentanten und Experten vom ZVEI über die Messegesellschaft bis hin zum Bundesministerium für Bildung und Forschung stimmten darin überein, dass TectoYou für Messe sowie Industrie wichtiger denn je sei. „Der Handlungsbedarf ist angesichts des Ingenieurmangels extrem“, so Reinhard Hüppe vom Zentralverband der elektronischen Industrie und Mitveranstalter der Industriemesse in Hannover.

Der scheidende Messechef, Sepp Heckmann, stellte dennoch die Frage, wie es mit TectoYou weiter gehen wird. Schnell war klar, dass eine solche Initiative zu einem Programm weiterentwickelt werden müsse, dass nicht nur punktuell – also einmal im Jahr – greift, sondern über das Jahr bundesweit wirkt. Gefordert wurde eine Plattform, die alle Ideen für alle Schulen transparent macht, um so die Aufmerksamkeit mehr auf technische Berufe zu lenken. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Andreas Storm, fügte in diesem Zusammenhang hinzu, dass kontinuierliche Arbeit notwendig sei, um die Jugend für mehr Technik zu begeistern, und zwar von klein auf an.

Das die Gelegenheit für verstärkte Nachwuchsinitiativen mit Blick auf die Schulen aktuell besonders günstig sei war eines der Ergebnisse der Podiumsdiskussion. Guillermo Spreckels, Vorsitzender des Philologenverbandes Niedersachsen, sprach von einem Paradigmen-Wechsel bei Mathematik und Physik, den Kernfächern für technische Berufe. Das pädagogische Credo lautet hier ab sofort, weniger Abstraktes mehr Praktisches. Er lud die Wirtschaft geradezu ein, dies bei ihren Schulprojekten zu berücksichtigen und schlug eine engere „Vernetzung“ zwischen Schule und Wirtschaft vor.

Eine Einschätzung, die schule-trifft-wirtschaft.de in den zahlreichen Gesprächen mit den anwesenden Lehrern im TectoYou-Lehrerzimmer bestätigen konnte. Was die Lehrkräfte nach wie vor bemängeln ist, dass sie von der Wirtschaft authentische, praxisorientierte Unterrichtsmaterialien für Mathe und Physik nicht ausreichend gestellt bekommen. Vorschläge, wie diese aussehen könnten, kamen von den Lehrern denn auch zahlreich: Warum gebe es nicht zum Beispiel ein Physikprogramm von Tchibo, das endlich mal klarmacht, weshalb beim Cappuccino der Kaffee unter dem Milchschaum länger warm bleibt? Warum nicht ein Mathematikprogramm von Airbus, das beispielsweise vorrechnet, warum der dicke A380er wirklich fliegen kann. Warum nicht von der Halag, den Betreibern des Hamburger Hafens, die Lösung der Rechenaufgabe, warum die Elbe ausgerechnet ein Meter tiefer werden muss?

Mehr Praxis statt grauer Theorie – das kam auch bei den Schülern an. So erzählte eine Schülergruppe, die das TectoYou-Lehrerzimmer besucht hatte, dass ihr Lehrer vor kurzem neun Schulstunden lang das Prinzip des Flaschenzugs in der Theorie besprochen hätte: „Das war dann doch zu viel.“

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Kontakt    Dörte Dussa, schule-trifft-wirtschaft.de
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